Adbustings zum Tag der Offenen Tür am Innenministerium

Zufälle gibt: Dieses Jahr fällt der Jahrestag des Verbotes der offenen Nachrichtenplattform linksunten.indymedia.org mit dem Tag der Offenen Tür im für Pressezensur zuständigen Innenministerium zusammen. Doch Protest ist da nicht einfach, denn wie es sich für eine autoritäre Regierung gehört, verbietet die Besuchsordnung der Veranstaltung explizit Versammlungen und das Verteilen von Druckwerken (thats what democracy looks like in 2018…). Doch dank der in Berlin omnipräsenten Großflächenwerbeanlagen gelang es dem Kommunikationsguerilla-Kollektiv „Hit Horst Hard (HHH)“ pünktlich zum Beginn der Veranstaltung direkt neben dem Haupteingang des Zensur- und Abschiebungsministeriums zwei Adbustings zu arrangieren.

Adbusting Pressezensur Indymedia


„Ich seh die Pressefreiheit vor lauter Indymedia-Zensur nicht mehr.“

Der Begriff Adbusting meint das politisch motivierte Verändern von Werbeplakaten. Das designrhetorische Problem dabei ist regelmäßig, das die Kommunikationsguerilli@s mit der Motivvorlage des jeweils plakatierten Originals arbeiten müssen. In diesem Fall lösten die Aktivist*innen dieses Problem, in dem sie der auf einer Werbung für eine Krankenversicherung vor der Kulissen eines Waldes abgebildeten Person ein Soli-Statement in den Mund legten. In Sprechblasenform lautet der Slogan: „Ich seh die Pressefreiheit vor lauter Indymedia-Zensur nicht mehr“.

Adbusting Politik für den Rummel


„Politik für den Rummel: Abschiebung. Prügelpolizei. Hetze.“

Ein zweites Poster direkt vor dem Innenministerium zeigt eigentlich eine Werbung für Süßigkeiten vor dem Hintergrund eines Rummels mit Zirkuszelt. Diese Vorlage nutzten die Kommunikationsguerilli@s, um die unten im Bild befindliche Kaufaufforderung durch eine Kritik an der autoritären deutschen Innenpolitik zu ersetzen. Der Slogan direkt am Haupteingang lautet nun „Politik für den Rummel: Abschiebung. Prügelpolizei. Hetze.“.

Adbustings am Innenministerium

Den Schergen vor die Tür kacken
„Mit der Aktion möchten wir uns mit den Betroffenen der Repression gegen das Nachrichten-Portal Linksunten.Indymedia.org solidarisieren“ sagt Julia, Vice-President for Strategie and Tactics im Board des Kommunikationsguerilla-Kollektivs „Hit Horst Hard (HHH)“. Außerdem hoffen wir, mit der Adbusting-Aktion zumindest ein kleines Zeichen gegen die Friede-Freude-Autoritarismus-Propaganda setzen zu können und zumindest die ein oder andere Besucher*in zum Nachdenken zu bringen, was für ne Hütte sie sich da eigentlich anschauen.“ Für Julia und die anderen Collective-Members ist außerdem wichtig: „Klar darf bei Aktionen der Spaß nicht zu kurz kommen. Es fühlt sich schon cool an, trotz der allgemeinen Belarussifizierung der Republik direkt neben der Wache und gegenüber dem Bereitschaftspolizei-Quartier den Staatschergen so direkt vor die Tür zu kacken…“

Der Aufruf zum Indymedia-Aktionstag:
https://de.indymedia.org/node/22935

Werbung zum Tag der Offenen Tür der Bundesregierung:
https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Tag_der_offenen_Tuer/_node.html

Guter Artikel, der Adbusting erklärt:
http://maqui.blogsport.eu/2018/02/19/was-ist-adbusting/