Was ist Kommunikationsguerilla? Neben Artikeln im Internet vermitteln auch regelmäßig Veranstaltungen Wissen zum Thema. Dabei oszillieren die Betrachtungspole oft zwischen gähnender Langeweile im politischen Alltag der breiten Masse der Politbewegungen und euphorischem Avantgarde-Verhalten a la Peng-Collective bei den Fans der Kommunikationsguerilla. Wichtig wäre dabei nicht das Abfeiern eines neuen Hypes, sondern die Einbettung von Kommunikationsguerilla in „normale“ Kampagnenarbeit. Wer das versuchen möchte, findet in den nächsten Wochen die ein oder andere Gelegenheit, sich fortzubilden. Hier eine kleine kommentierte Zusammenstellung.

20.-22.1. Wochenende zu Kreativen Protestformen in Bielefeld
Es kann gut sein, dass Bielefeld die nächste Hauptstadt der Kommunikationsguerilla wird. Den dort veranstaltet in zwei Wochen die Initiative „Bielefeld Geldfrei er-leben“ ein „Wochenende zu kreativen Protestformen“. Konkret gibt es zwei Veranstaltungen. Los geht’s am Samstag, den 19.1.2018 um 18h im IBZ Bielefeld mit dem „Workshop Kommunikationsguerilla“. Konkret wird das so angekündigt: „Wie Kommunikationsguerilla funktionieren kann, erproben wir gemeinsam im Workshop. Nach der Einführung (Vorstellung, Erwartungshaltungs-Runde, kurzer Input zur politischen Bedeutung des Themas) lernt ihr in Kleingruppen, anhand von „Aktionstütchen“ (Bilder, kurze Filmclips, Pressemitteilungen, Aktionsberichte, Zeitungsartikel), Kommunikationsguerilla-Aktionen kennen. Das Gelernte stellen wir uns anschließend gegenseitig vor. Danach ist Raum über das neue Wissen zu schnacken und zu diskutieren.“
Am Tag drauf, Sonntag, den 20.1.2018 geht’s laut Ankündigung dann ebenfalls im IBZ Bielefeld mit einem Workshop zu Adbusting weiter, und ab 16h haben die Veranstaltenden eine „Schenkparty“ angekündigt.
Mehr Infos dazu:
https://www.facebook.com/events/1174865272645111/

28.1. Adbusting in der B-Lage
Doch auch in Berlin kann man sich in nächster Zeit zu Themen der Kommunikatiosguerilla fortbilden. In der B-Lage in Neukölln wird am Sonntag, 28.1.2018 um 18.30 eine Veranstaltung zu Adbusting stattfinden. Die wir so angekündigt: „Kein Bock auf Werbung?! An jeder Ecke nervt sie uns, will uns was aufschwatzen oder das Image von Großkonzernen und Politik aufpolieren. Ihr habt keine Lust mehr auf diese märchenhaften Lügen? Dann mach mit beim Adbusting Workshop. Adbusting ist eine Form der Straßenkunst, die mit kreativen Mitteln Werbung entlarvt. Bestehender Werbung wird mit kleinen, aber feinen Veränderungen eine neue Bedeutung verliehen oder sogar komplett umgekehrt.“ Das konkurriert ab 20.15 dann übrigens mit dem Tatort aus Dresden.

Mehr Infos zu Adbusting-Workshop am 28.1. in der B-Lage:
http://www.b-lage.de/events/adbusting-workshop-werbung-entlarven-abb1a482-5ae0-486c-a302-d997fa8a7377?cst=

3.2. Workshop Kommunikationsguerilla im Bethanien
Und wer vier Wochen in die Zukunft planen kann und auch am Wochenende halbwegs früh aufsteht, sollte sich am Samstag, den 3.2.2018 nichts vornehmen. Da veranstaltet „Tierfabriken Widerstand“ ab 13h im Bethanien einen Workshop zum Thema Kommunikationsguerilla. Die Ankündigung lautet so: „A wie Adbusting, T wie Tortenwurf, Z wie Zeitungsplagiat: Viele Bewegungen nutzen Kommunikationsguerilla, um ihre Themen in die Medien zu hieven. Teilweise wie aus dem Nichts, manchmal mit wenig Ressourcen, meist gut inszeniert, immer unerwartet. Wir wollen uns einige Beispiele anschauen, um zu verstehen was kritische Punkte bei dieser Aktionsform sind. Warum funktioniert es manchmal und warum nicht? Was kann getan werden, um Viralität zu erzeugen? Anschließend werden erste Ideen zum Thema Tierproduktion entwickelt, die vielleicht einmal für mediales Gewitter sorgen – BAM!“
Mehr Infos zu dem Workshop Kommunikationsguerilla am Samstag, den 3.2.2018 im Bethanien:
https://de-de.facebook.com/events/453786028355965/

19.1. „Die Mischung machts“ im Systemfehler
Bereits am Freitag, den 19.1.2017 findet im Systemfehler in der Jessnerstraße um 20h die Ton-Bilder-Schau „Die Mischung macht’s – erfolgreiche Strategien des Widerstandes“ statt. Das ganze wird so angekündigt: „Wie lassen sich politische Auseinandersetzungen gewinnen? Am Beispiel der Agrogentechnik wird das anschaulich, doch die Ton-Bilder-Schau soll Handwerkzeug für alle politischen Themen und Aktionsfelder geben. Die Story: 2004 starteten Gentechnikkonzerne und Lobbygruppen eine neue Kampagne zur Durchsetzung ihrer Profitinteressen und zur Anlage von Feldern mit manipulierten Pflanzen. Ab 2005 entwickelte sich – wie schon Mitte der 90er Jahre – eine spannende Mischung des Widerstandes: Feldbefreiungen, Feldbesetzungen, Aktionen vor Konzernzentralen und -versammlungen, Recherchen hinter den Kulissen, brisante Veröffentlichungen und viele informative Veranstaltungen. Mit Erfolg: 2011 wurden die letzten Versuchsfelder in einer spektakulären Aktion zerstört. Monsanto, BASF & Co. kündigten ihren Abgang aus Deutschland an. Seit 2012 ist Deutschland gv-Felder-frei. Da lohnt sich der Rückblick: Was macht solche Widerstandsstrategien aus? Was lässt sich daraus für andere Kampagnen und Aktionen lernen, also für den Widerstand gegen Atom oder Kohle, Tierfabriken oder übergriffige Behörden, Nazis oder Sozialabbau, Militär oder Repression. Fotos, kurze Filme und ausgewählte Anekdoten machen die Ton-Bilder-Schau zu einer rasanten Erinnerung an vergangene Protestjahre – immer verbunden mit Tipps und Thesen für eine entschlossene Protestkultur überall. Am Ende besteht die Gelegenheit zur Debatte, Entwicklung eigener Ideen und für konkrete Verabredungen.“
Mehr Infos af der Seite der Veranstaltenden: http://systemfehler-berlin.blogspot.de/2017/12/winterpause-und-termine.html

Kontroverser Referent
Der Referent der Veranstaltung heißt Jörg Bergstedt. Bergstedts Wirken ist hochkontrovers und ein Politikum an sich. Mit der Roten Hilfe liegt er in einer Dauerfehde, gegen die Libertäre Medienmesse zog er in Bochum zu Felde, im Rahmen von Recherchen zu Verschwörungstheorien trat auf der „Anti-Zensur-Konferenz“ auf, einer Rechts-Eso-Sekten-Christen-Aluhut-Veranstaltung, wo auch Shoa-Leugner*innen abgefeiert werden , auf, und sein Design als cis-90iger-Jahre-Polit-Macker führt zu Sexismus-Vorwürfen,. Seine Veranstaltungen werden regelmäßig von Boykott-Aufrufen begleitet. Wir haben die VA hier trotzdem aufgeführt, weil es (leider) deutschsprachigen Raum kaum eine Gruppe geben dürfte, die mit Kommunikationsguerilla und kreativen Protestformen so viel Praxis hat, wie Bergstedt und seine Leute. Aber vielleicht ändert sich das ja mal, wenn sich mehr Leute kreative Protestformen aneignen… Und wer das jetzt zwar interessant findet, aber die Veranstaltung meiden möchte, findet dank Bergstedts (je nach Ansicht der Betrachter*in) Geltungsstreben oder seiner breiten Publizität einen Mitschnitt einer früheren Veranstaltung zum selben Thema bei Youtube.

Mehr Infos:

Was ist Kommunikations-Guerilla?
http://maqui.blogsport.eu/2016/06/16/was-ist-kommunikationsguerilla/

Analysen zu konkreten Kommunikations-Guerilla-Aktionen:
http://maqui.blogsport.eu/kommunikationsguerilla-analyse/

Über das Verhältnis von Kunst und Politik bei Adbusting;
http://maqui.blogsport.eu/2015/11/20/das-verhaeltnis-von-kunst-und-politik-beim-adbusting/