Heute morgen haben die Besetzer*innen des Institut für Sozialwissenschaften ihre Aktion für beendet erklärt. Die Präsident*in der HU, Sabine Kunst, hatte bereits letzten Freitag die Kündigung des Stasi-belasteten Stadtsoziologen Andrej Holm zurückgenommen und damit die Hauptforderung erfüllt. Doch so schnell wird Holm trotzdem nicht an die HU zurückkommen.

Holm frühestens 2019 wieder an der Uni
Die Tageszeitung „Die Welt“ meldete am 15.2.2017, dass sich Holm entschlossen habe, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus zu werden. Weiter spekuliert „Die Welt“, das er dort zwar nicht so viel Kohle wie als Staatssekretär (ca. 10.000 Euro), aber mit geschätzten 4000 Euro immer noch mehr als an der Uni kriegen werde. Das Anstellungsverhältnis in der Fraktion laufe zunächst bis zum Ende der von Holm noch wegen seiner Staatssekretärs-Tätigkeit beantragten Beurlaubung von der Uni im Dezember 2018. Danach könne man sich aber eine Festanstellung vorstellen.

Weg, da, wieder weg…
Der Welt-Autor Phillipp Kuhn ärgert sich nun: „Er war schon weg, jetzt ist er wieder da (…). Der Berliner Stadtsoziologe Andrej Holm ist wieder im politischen Geschäft.“ Linksradikale Beobachter*innen dürfte das weniger überraschen. Schließlich gab sich Holm selbst in seiner Rücktrittserklärung bis zum Schluss staatstragend: „Die Diskussionen um das Sicherheitspaket, der Verlauf der Parlamentsdebatte und der mehrfache Bruch von Vereinbarungen zwischen den Koalitionspartnern zeigen, dass die Koalition selbst in der Krise ist. Ich werde der zerstrittenen SPD nicht den Gefallen tun, sie auf meinem Rücken zerplatzen zu lassen.“ In der öffentlichen Veranstaltung nach seinem Rücktritt konkretisierte er: „ „Am Dienstag hätte es eine Kampfabstimmung des Senats gegeben, dann wäre die Koalition zerbrochen.“

Atmosphärische Politik?
Ob es schlimm wäre, wenn die Koalition zerbricht, sei mal dahin gestellt.Angesichts der Tatsache, das der ganze kapitalistische Normalvollzug auch mit Holm und der Linkspartei ungestört weiter geht, darf man sich nicht wundern, wenn Akteure in post-faktische Gefühlspolitik abgleiten, und Sätze wie: „„Atmosphärisch fühle ich mich bei Euch wohler als in der Politik“ unter großen Applaus von sich geben.

Moralischer Kompass?
Der Verweis auf die Gefühle könnte vielleicht auch die Sowi-Studies, die die Rücknahme der Kündigung erstritten haben, und ihren Lieblings-Dozierenden nun trotzdem nicht zurück bekommen, besänftigen. Wenn man sich vorstellt, was es für Herrn Holm bedeuten muss, nachdem einem zum zweiten Mal im Leben richtig übel mitgespielt wurde, an ein Institut zurück zu kehren, und wo man erleben musste, dass sich zum zweiten Mal kaum einer der „geschätzten Kolleg*innen“ solidarisch zeigte, und sich die meisten Dozierenden und Profs stattdessen über Farbe an Wänden, Studis in den Fluren und Leergut auf dem Hof ereiferten. Ob man Lust hat, an einem Ort zu arbeiten, wo der moralische Kompass der Kolleg*innen derart schief hängt, ist eine berechtigte Frage, die sich sein Fanclub unter den Studierenden stellen sollte. Ob es um den moralischen Kompass der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus jedoch besser bestellt ist, ist eine ganz andere Frage.

Mehr Infos:

Adbusting am Abgeordnetenhaus als Begrüßung von r2g:
http://maqui.blogsport.eu/2016/09/24/b-adbusting-am-abgeordnetenhaus-auch-in-der-demokratie-ist-alles-doof/

Der Aufstand im Institut für Sozialwissenschaften und „Der Mensch in der Revolte“ von Albert Camus:
http://maqui.blogsport.eu/2017/01/31/der-aufstand-am-institut-fuer-sozialwissenschaften-und-albert-camus-der-mensch-in-der-revolte/

Diversität am ISW als Aufstandsbekämpfung?:
http://maqui.blogsport.eu/2017/02/04/diversitaet-als-aufstandsbekaempfung/