Im Zuge der alljährlichen Demonstration zum Frauen*kampftag in Berlin haben Aktivist*innen gefälschte Werbeplakate verbreitet. Die Gruppe „Initiative neue ehrliche Marktwirtschaft“ (InehMaWi) hat entlang der Demo-Route Plakate aufgehangen, die den bürgerlichen Parteien Statements zu ihrer Position zum Feminismus zuschreiben. Erst auf den zweiten Blick wurde deutlich, dass so viel Ehrlichkeit von den angesprochenen Parteien nicht zu erwarten ist.

Nur im Dienste der Wirtschaft?
Die Gruppe ordnet den Spruch „Feminismus? Nur im Dienste der Wirtschaft“ der SPD zu. Damit wollen die Künstler*innen auf die Vereinnahmung emanzipatorischer Politik durch Wirtschaftsinteressen aufmerksam machen. „Weite Teile der Gleichstellungspolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte strebten keine emanzipatorischen Ziele an. Vielmehr zeigt sich, dass es um die Verfügbarmachung weiblicher* Arbeitskraft im Sinne der Kapitalverwertung geht“ so der Aktivistin Manuela Nahles. Die Überschneidung feministischer und wirtschaftspolitischer Interessen sei partikular und keine langfristige Perspektive für emanzipatorische Politik.

Für uns ein Elitenprojekt?
Ein weiteres Plakat ist als Kritik an der Vernachlässigung von Frauen* zu verstehen, die von anderen Diskriminierungsformen betroffen sind: „Feminismus? Für uns ein Elitenprojekt“ prangt es von der Werbetafel. „Sogenannte Frauen*förderung zielt viel zu häufig auf – im Sinne der Verwertungslogik – gut ausgebildete Frauen*. Ihre Arbeitskraft ist es, die freigesetzt werden soll“ erklärt Antonia Kretschfrau. In der patriarchalen Gesellschaft seien aber alle Frauen* von Diskriminierung betroffen, insbesondere diejenigen, die auf wenig soziales Kapital zurückgreifen können. Eine ernstgemeinte Politik der Geschlechtergerechtigkeit müsse diesen Umstand berücksichtigen, unter dem „Primat der Kapitalverwertung“ sei dies aber nicht zu erwarten. Beispielsweise könne es nicht Ziel sein „die schlecht bezahlte Care-Arbeit an Frauen* aus dem globalen Süden abzugeben“.

Nur für ‚deutsche‘ Frauen?
Ein drittes Plakat schreibt der CDU den Spruch „Feminismus? Nur für deutsche Frauen“ zu. Damit klagt die Gruppe zwei Phänomene an: Zum einen die Verschleierung rassistischer Diskurse durch vermeintlich feministische Ziele. „Die Debatten im Nachgang zu den sexualisierten Gewaltexzessen in Köln und anderen Städten sind allzu schnell vom eigentlichen Problem sexualisierter Gewalt gegen Frauen* abgekommen. Stattdessen wurde die Herkunft der Täter zum zentralen Diskursthema“ so das Mitglied Erika Seebach. Nicht nur sei so der rassistische Mythos des gefährlichen „schwarzen“ Mannes aktualisiert worden, sondern gleichzeitig das gesamtgesellschaftliche Problem sexualisierter Gewalt gegen Frauen* verdrängt.

Zum anderen richtet sich die Kritik gegen gegen ein Verständnis feministischer Politik, das rassistische Diskriminierung nicht berücksichtigt oder gar befeuert. „Ein Ausspielen der einen Diskriminierungsform gegen die andere wollen wir nicht zulassen“. Illegaĺisierte Frauen* und Women* of Colour seien in besonderem Maße von sexistischer Diskriminierung und sexualisierter Gewalt betroffen. Das Zusammenspiel der allgegenwärtigen sexistischen und rassistischen Stereotype macht die Täter gesellschaftsfähig. „Deshalb: I can not imagine a feminism that is not antiracist.“, so Seebach.

Das Verhalten der adressierten Parteien als Stimmenmaximierer entspreche jedoch der Logik einer kapitalistischen Gesellschaft mit ihrem Rassismus und Sexismen, so Seebach. Und fügt hinzu: „Um Clara Zetkin, die Begründerin des Frauen*kampftages zu zitieren ‚Die Revolution ist der einzige Weg zur Befreiung der Frau’“.

Mehr Infos:

Gender-Trouble-Ausstellung auf dem Uni-Klo:
http://maqui.blogsport.eu/2015/11/06/berlin-humbolt-uni-gender-trouble-ausstellung-auf-den-klos/

Polizeikongress 2016: Adbusting und Pressemitteilung der GdP gefälscht:
maqui.blogsport.eu/2016/02/26/kommunikationsguerilla-mit-der-gdp-erst-gefaelschte-plakate-dann-gefaelschte-pressemitteilung/

Bundeswehr-Plakate verallbert. Bringt es?