Bundeswehr-Adbusting am Lützow-Ufer

Payback-Day am Kriegsministerium: Unbekannte Künstler_Innen drückten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag den Militärs am Bendlerblock ihre eigenen Werbeplakate aufs Auge. Allerdings ergänzt um neue Slogans. So heißt es nun: „Ausbeutung gewaltsam verteidigen. Ihre Bundeswehr.“ „Blitzkrieg in Syrien? Opa wär so stolz“. Und: „Wir wünschen frohe besinnliche Weihnacht an der Heimatfront“. Überraschender Weise feiert die Berliner Zeitung die Adbusting-Aktion: „Ein Geniestreich aus den unbekannten Reihen der Kommunikationsguerilla“. Die Vice rätselt: „Nimmt die Bundeswehr jetzt Arschlöcher?“ und spekuliert über mögliche Täter_Innen. Und das Webportal mopo24 konstatiert: „Alle wundern sich über diese Bundeswehr-Plakate“

Geklaut von linksunten.indymedia.org hier die original Pressemitteilung und Bilder zur Aktion:

Bundeswehr-Adbusting am Lützowufer

Berlin: Adbusting-Aktion am Kriegsministerium
Nicht einmal mehr im Berliner Kriegsministerium ist die Bundeswehr vor Schmähungen sicher. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden rund um den Bendlerblock veränderte Werbeplakate der Bundeswehr verbreitet. Die Gruppe, welche sich selbst „Abteilung zur sichtbaren und inhaltlichen Verschlimmbesserung unhaltbarer Truppenwerbung (AbtVerschlTruWer)“ nennt, konfrontiert die deutschen Streitkräfte direkt vor ihrer Haustür mit Kritik. Deren aktueller Versuch, sich als selbstverständlichem Teil der Gesellschaft zu positionieren wird ebenso angeprangert, wie die deutsche Interessensvertretung durch die Armee in aller Welt.
 
Adbusting vorm Kriegsministerium

Ausbeutung militärisch durchgesetzt
„Da ist nichts komplex“ schimpft Ursula, eine der Mitstreiterinnen der AbtVerschlTruWer, „der deutsche Marineeinsatz am Horn von Afrika sichert Handelswege. Und deutscher Außenhandel beruht auf Ausbeutung.“ Diese Kritik hat die Gruppe auf einem Plakat untergebracht, auf dem es nüchtern heißt „Ausbeutung gewaltsam verteidigen: Bundeswehr“. Eines der aktuellen Gruppenmitglieder, das lieber anonym bleiben will, erinnert an die durch ihn bereits 2010 im Deutschlandradio geäußerte Kritik an dieser Strategie.
 
Bundeswehr-Adbusting vorm Kriegsministerium

Blitzkrieg nach Syrien
Einen aktuellen Aspekt beleuchtet die Gruppe anlässlich der jüngst im Schnelldurchgang beschlossenen Militärexpedition nach Syrien. Auf einem der Plakate ist zu lesen: „Wir sind dann mal weg – Blitzkrieg in Syrien: Opa wäre stolz gewesen“. Auf einem anderen veränderten Werbeplakat steht „Wir wünschen frohe, besinnliche Weihnachten an die Heimatfront“. Das ist als Kritik am Verdrängen früherer Fehler bei der Einsatzplanung zu verstehen, etwa beim Afghanistan-Mandat. Das andere Plakat zieht Parallelen zum „1. Angriffsweltkrieg von 1918“. Diese Formulierung stammt von Karl-Theodor, der als Historiker der Gruppe auftritt und ergänzt: „Aus internen Papieren weiß ich sehr genau, dass sich die aktuelle Stabsführung die Kriegsbegeisterung von damals zum Vorbild nimmt.“ Lediglich der Adel sei heute weniger begeistert von den Feldzügen im Nahen Osten.
 
Bundeswehr-Adbusting am Kriegsministerium

Sexismus als Teil des Militärs
Auch kritisieren die Aktivist_innen das Innenleben der Bundeswehr. „Die interne Hierarchie mit ihren zehntausend Dienstgraden ist doch ein prima Nährboden für sexistische oder rassistische Diskriminierungen“, meint etwa Thomas, früherer Mitarbeiter im Bundesministerium der Verteidigung und jetziger Sprecher der Plakat-Gruppe. „Abschließend kann ich nur sagen: Die aktuelle Bundeswehrkampagne wird die Bevölkerung nur verunsichern. Jeder weiß um die Widersprüche einer Armee“.
 
Blitzkrieg Syrien Adbustig

Wer kämpft für was?
„Wenn die Bundeswehr wirklich dafür kämpfen würde, dass Leute gegen sie sein könnten, dann würde die Militär ihre 10 Mio. Werbeetat gerne mit uns teilen“ meint Ursula. „Dann gäbe es wenigstens Chancengleichheit bei den Ressourcen und die Militärs müssten Kritik nicht nur punktuell am Ministerium ertragen.“

Mehr Infos:

Die Original-Bilder und Pressemitteilung bei Indy:
https://linksunten.indymedia.org/de/node/161785

Berliner Zeitung:
www.berliner-zeitung.de/berlin/plakate-in-berlin-aktivisten-werben-mit-bundeswehr-haeme-am-ministerium,10809148,32908846.html

Adbusting zum Zapfenstreich vor dem Reichstag:
http://maqui.blogsport.eu/2015/11/12/adbusting-aktion-in-berlin-anlaesslich-zapfenstreich/

Adbusting zur Einheitsfeier:
http://maqui.blogsport.eu/2015/10/04/berlin-adbusting-zur-einheitsfeier/