Adbusting gegen den Zapfenstreich vor dem Reichstag in Berlin

Anlässlich des Zapfenstreiches auf der Reichstagswiese zum 60.Geburtstags der Re-Militarisierung in Deutschland hat eine KünstlerInnengruppe mit veränderten Werbetafeln in Mitte in den öffentlichen Raum hinein interveniert. Die Gruppe greift dabei das Motto der Militärparade auf und verändert es in „60 Jahre Bundeswehr? Ein Grund zum Reiern.“ Ein weiteres Motiv ist zudem nach Angaben der KünstlerInnen in ihrer Mitteilung von einem unserer Texte der letzten Woche inspiriert. Der Text „Von deutschen Supermärkten darf nie wieder Krieg ausgehen“, der das diskursive Motiv „Freiheit des Welthandels“ auf seine Funktion in der Akzeptanzbeschaffung für Militär-Expeditionen hin untersucht, wurde von der Gruppe graphisch umgesetzt. An dieser Stelle vielen Dank von der Redaktion dafür. Es freut Schreibende immer, wenn ihre Texte etwas anst0ßen!


Hier die Original-Pressemitteilung der Gruppe „Billboard Liberation Front West-Berlin Kommando Befehlsverweigerung“:

Adbusting-Aktion in Berlin anlässlich Zapfenstreich: „60 Jahre Bundeswehr. Ein Grund zum reiern“
Das, was Staatsgäste und Militärs heute auf ihrem Weg zum Zapfenstreich vor dem Berliner Reichstag mitansehen müssen, wird den meisten von ihnen nicht besonders gefallen. Eine bisher unbekannte Gruppe, die sich „Kommando Befehlsverweigerung“ nennt, hat mit einer Adbusting-Aktion in Berlin-Mitte im großen Stil Werbeplakate mit Parolen versehen, die das deutsche Militär in offensiv verunglimpfen: „60 Jahre Bundeswehr. Ein Grund zum Reiern“ und „Bundeswehr abschaffen“ lauten die Slogans direkt vor dem Reichstag sowie an verschiedenen Orten im Regierungsviertel.

Bundeswehr-Adbusting vor dem Berliner Hauptbahnhof

Geburtstags-Zapfenstreich von antimilitaristischer Kritik begleitet
Ausgerechnet am 60. Geburtstag der Bundeswehr muss sich das deutsche Militär mit massiver Kritik auseinander setzen. Bereits am Wochenende verunstalteten pazifistische Kreative in Berlin den erst vor einem Jahr mit viel Aufwand und Ministerinnenbesuch eingeweihten „Show-Room“ der Bundeswehr mit kiloweise Farbe. Und zeitgleich zur Militärparade zieht eine Gegendemo unter dem Motto „60 Jahre Bundeswehr. Kein Grund zu feiern“ durch Berlin-Mitte, ohne die Regierung oder die Polizei etwas dagegen unternehmen können.

Adbusting gegen die Militärparade
Nun verunglimpfen ausgerechnet auch noch direkt vor dem Reichstag, wo heute der Große Zapfenstreich stattfinden soll, sogenannte „Adbustings“ das Militär. Bei dieser Form des Protestes bemächtigen die Akteure sich unerlaubt des öffentlichen Raumes, in dem sie Werbung verändern. Und so kommt es, dass Kanzlerin, Kabinett, Offiziere und die 2500 eingeladenen Staatsgäste an Werbetafeln vorbei müssen, die eine sich in einen Stahlhelm übergebende Gestalt zeigen. „60 Jahre Bundeswehr- ein Grund zum Reiern“ lautet die das offizielle Motto der Militärparade persiflierende Aufschrift. Weiter provizieren die bisher unbekannten Kreativen mit Bezug durch das Motto: „60 Jahre Befehl & Gehorsam, 25 Jahre neue Angriffskriege. Bundeswehr abschaffen.“

Bundeswehr Adbusting Einkaufswagen

Geht von deutschen Supermärkten Krieg aus?
Ein weiteres Motiv greift die Selbstdarstellung der Bundeswehr an. Es zeigt einen Einkaufswagen mit Bundeswehr-Logo. Die Beschriftung lautet: „Deutsches Militär sichert Frieden und Handel. Bedeutet: Zugang zu billiger Arbeit und Rohstoffen. Von deutschen Supermärkten darf nie wieder Krieg ausgehen.“ Das Poster schließt mit der Forderung: „Bundeswehr abschaffen.“ Dazu findet sich ein sogenannter Bitly-Link, der zu einer dem linksradikalen Spektrum zuzuordnenden Szenehomepage führt.


Handel als Ideologie für Krieg

Der dort zu findene Beitrag scheint die pazifistischen Kreativ-Aktiven zu ihrer Aktion zumindest inspiriert zu haben. In holperigem pseudowissenschaftlichen Sprachgebrauch wird sich dort an einer Analyse der zunehmend offensiv-militaristischen Tonlage der deutschen Bundespolitik versucht. Inhaltlich geht es in dem Artikel genauer um die rhetorische Nutzung des Begriffes „friedlicher Welthandel“, sodass die militärische Durchsetzungen wirtschaftlicher Interessen gegenüber der Bevölkerung zunehmendleichter gerechtfertigt werden kann.

Wall-Mitarbeiter beim Zensieren von öffentlicher Meinungsäußerung und dem Zerstören von Kunst im öffentlichen Raum

Wem gehört die Stadt?
Das besonders Perfide an der Aktion: Die mittem im Epizentrum der deutschen Politik stattfindenden Verschmähungen lassen sich nicht einfach durch Abreißen entfernen, weil sie innerhalb der Werbekästen hinter Glas angebracht sind. Wie die dem linksradikalen Milieu zuzuordnenden Aktiven das wenige Meter entfernt von Sicherheitspersonal geschafft haben, ist den Behörden noch unklar. Der Schaden hingegen, den die streitsuchenden selbsternannten Friedensfreunde angerichtet haben, dürfte auf der Hand liegen. Nicht einmal im klinisch rein gentrifizierten, von Kameras und Polizei penibel überwachten Herzen der bundesrepublikanischen Hauptstadt sind die deutschen Bürgerinnen und Bürger in Uniform vor Schmähungen sicher.

Für alle, die jetzt Lust bekommen haben, die Demo gegen die Militärparade zu besuchen:
http://zapfnix.blogsport.eu/

Spiegel-Online-Video zur Farb-Aktion am Bundeswehr-Showroom:
http://www.spiegel.de/video/unbekannte-beschmieren-bundeswehr-showroom-mit-farbe-video-1624561.html

Der Text, auf den die Billboard Liberation Front West-Berlin Kommando Befehlsverweigerung verweist:
http://maqui.blogsport.eu/2015/11/10/von-deutschen-supermaerkten-darf-nie-wieder-krieg-ausgehen/

Mehr Infos:

Argumente gegen Militär:
http://maqui.blogsport.eu/category/antimilitarismus/

Kommunikationsguerilla-Aktionen analysiert:
http://maqui.blogsport.eu/kommunikationsguerilla-analyse/

Politische Theorie einfach und anschaulich am aktuellen Beispiel erklärt:
http://maqui.blogsport.eu/theoretisches-praktisch/