Auf den MetaRheinMainConstructionsDays 2015 gabs einen freakigen Vortrag zu „Context-based Pseudonyms – Konzept und Bruchstellen“ von Nanooq. Nanooq ist Hacker, Schauspieler, Gärtner und vieles mehr. Denn er hat ein interessantes Hobby: Er ist Pseudonymiker. Das heißt, er zieht es echt durch, sich in jedem (!) sozialen Kontext sich ein anderes Pseudonym zuzulegen. Von den Irrungen und Wirrungen, die sowas mit sich bringt, erzählt er in seinem Vortrag.


Dauerhafte Anonymität ist anstrengend

Nun mag man zu Recht anmerken, dass jemand, der ohne es vor seinen Verbündeten transparent zu machen, sowohl bei der NPD als auch in der Linken rumhängt, in antagonistischen Strukturen nichts zu suchen hat. Das Video zeigt aber deutlich, wie schwer es ist, in Sozialen Netzwerken und bei elektronischer Kommunikation tatsächlich Anonymität in der Kommunikation zu schaffen.

Spitzelidentität als Pseudonym?
Zudem reflektiert das Video viele Probleme, vor denen Spitzel in der linken Szene stehen. Linke Gruppen, in denen in den letzten Wochen Spitzel aufgeflogen sind scheinen oft wie „Nüsse“ funktioniert zu haben. Das bedeutet, dass sie eine relativ dicke Schale aus Szenecodes haben. Aber wenn diese Schale geknackt ist, liegen alle Infos vor dem Spitzel. Pseudonymiker müssten stattdessen das Prinzip „Mango“ anwenden. Das bedeutet, dass relativ „weich“ alle für den jeweiligen sozialen Kontext benötigten Infos verfügbar sind, aber je tiefer es geht, desto schwerer ist es, die Infos zu knacken.

Bedeutungen für Kooperationen
Interessant für eine linksradikale Praxis ist der Teil, in dem der Referent über die Bedeutung von Identität reflektiert. Er betont dabei, dass bei Kooperationen mit Pseudonymen die Projektidee und nicht der „Fame“ der beteiligten Personen ausschlaggebend sei. Es wäre schön, wenn sich das in linksradikalen Szenen rumsprechen würde. Darüber hinaus ist hier der Ansatz „Nuss“ vs. „Mango“ ebenfalls spannend. Anstatt des „Rum-Cliquens“ in identitären Szenen könnte so tatsächlich Kooperation über das eigene gesellschaftliche Ghetto hinaus stattfinden.

Das Video zu Context-based Pseudonyms: Konzept und Bruchstellen
https://media.ccc.de/v/MRMCD15-7028-context-based_pseudonyms