Passend zum aktuellen Veranstaltungshype um Kommunikationsguerilla brachte die Berliner Tageszeitung „neues deutschland“ gestern in der wöchentlichen Rubrik „Apo-Lexikon“ das Lemma „Kommunikationsguerilla“. In drei Absätzen versucht die Zeitung das Thema mittels Beispielaufreiung und des Verweisen, das es das schon in den 60gern gab, abzuhandeln.

Aber seht selbst:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/985377.folge-kommunikationsguerilla.html

Folge88: KOMMUNIKATIONSGUERILLA

Auf Weihnachtsmärkten wurden im Jahr 2014 Postkarten der Bundeskanzlerin verteilt. Ihr Porträtfoto steht neben einem Text, in dem sie fragt, ob die Aufnahme weiterer Flüchtlinge unsere christliche Gemeinschaft gefährde; darunter ihre Unterschrift. Auf den ersten Blick ist der Postkartengruß zum Fest der Liebe nicht als Fake zu erkennen. Urheber jedoch ist das Berliner Peng!-Collective, das die Stimme der Macht nachgeahmt hat, um eine Debatte über die Verantwortung der Bundesregierung gegenüber Flüchtlingen und Hilfesuchenden anzustoßen.

Kommunikationsguerilleros erweitern die Interventionsformen linker Politik durch subversive Aktionen wie Adbusting, Fakes oder Imageverschmutzungen. Dazu zählt etwa das Angebot von preisgünstigen Flügen in der »Deportation Class« der Lufthansa, womit Antirassist/innen erstmals im Jahr 2000 das Abschiebegeschäft des Konzerns skandalisierten. Auch Tortenwürfe gehören ins Repertoire: Ein cremiger Kuchen im Gesicht einer Respektperson verwandelt diese im Nu in eine Witzfigur aus einem Charlie-Chaplin-Film.

Mittel der Spaß- und Kommunikationsguerilla setzte in den 1960ern schon die Kommune I ein. Bis heute gelingt es damit, das scheinbar Selbstverständliche plötzlich in Frage zu stellen und – was mit einem einfachen Flugi nicht möglich ist – die herrschende Ordnung zu untergraben. nis