Wie weit linksradikale Bewegung in der Nutzung von Kommunikations-Guerilla schon mal gewesen ist, zeigt das Beispiel der Kampagne „Bleib passiv“ aus dem Bundestagswahlkampf 2011. Damals verbanden ganz schlimme Berliner ChaotInnen eine Adbusting-Kampagne mit einer inhaltlichen Vermittlung über einen Blog. Zudem nutzten sie dies als Ausgangsgrundlage für effektive Pressearbeit.

Großflächige Adbustings
Verhältnismäßig großflächig (also zumindest in Hipsterland-Kiezen) verunstalteten ChaotInnen damals die großen Wahlplakate mit ansprechend aussehenden und inhaltlich überraschend radikalen Adbustings.

Dem CDU-Hardliner Henkel (jetzt Innensenator…) wurde zu „Aufräumen für Berlin“ noch „Einsperren“ und „Anschieben“ in den Mund gelegt. Die Plakate von Berlins damaligen obersten Partymacher Wowereit wurden um den Hinweis „Inhalt ist so 90er“ ergänzt. Und auch die Linkspartei bekam ihr veganes Fett weg. Aus „Die Linke“ wurde einfach „Bla“ (siehe Oben) Die Krönung dürfte aber ein Motiv bei den Grünen gewesen sein. Der Slogan „Renate kämpft“ wurde um den Zusatz „in Afghanistan“ und ein Bild einer Handgranate ergänzt.

Vermittlung mittels Blog
Verbunden wurden diese analogen Aktionen auf der Straße mit einem Blog in der digitalen Welt. Ohne den Blog von damals könnten wir heute nicht über die Aktion reden, weil es keine Spuren mehr gäbe. Das zeigt, wie wichtig solche Archiv-Funktionen für das politische Gedächtnis einer Bewegung sind, zumal Linksradikale sowas regelmäßig nicht auf die Reihe bekommen. Doch in 2011 dürfte der Blog mit den Bildern die Reichweite deutlich erhöht haben. Zudem bietet der Blog Gelegenheit, die Adbustings und die Kampagne über den kurzen Blick auf der Straße hinaus zu vermitteln oder zu erklären.

Effektive Pressearbeit
Darüber hinaus sind Blog und Mailadresse vermutlich auch für eine effektive Pressearbeit genutzt worden. Anders ist der relativ große Presse-Impact der Kampagne in der Hauptstadtpresse nur schwer erklärbar. Wie sehr diese Presseberichterstattung in den Mainstream-Medien die Reichweite der Aktionen erhöht, dürfte auf der Hand liegen. Das Highlight dieser Bemühungen dürfte sicher dieses Video aus der Taz sein:

Soziale Netzwerke?
Darüber hinaus nutzten die wahlstörenden ChaotInnen damals bereits mit twitter und Fratzenbuch die sogenannten „Sozialen Netzwerke“. Zur Reichweitenerhöhung hat dies sicher beigetragen. Ob das aus einer Antirep-Perspektive sinnvoll ist, sei einmal dahingestellt.

Exemplarischer Vermittlungszusammenhang
Die Kampagne dürfte von ihrem Vermittlungszusammenhang exemplarisch sein. Weder wird nur Echtwelt- oder nur Online-Kram gemacht. Statt dessen wird sich um einen relativ massiven Eindruck in der analogen Welt bemüht. Und dieser Eindruck wird durch Nutzung des Internets verstärkt. Zusammen mit Pressearbeit bietet dies das Sprungbrett in die Mainstream-Massenmedien. Und die damit angelockten ZivilistInnen können sich wieder via Suchmaschine auf dem Blog aus erster Hand informieren.

Mehr Infos:

Die Bleib-Passiv-Kampagne:
http://bleib-passiv.de/?page_id=386

Bleibt-Passiv-Adbustings-Aktionsvideo:
https://www.youtube.com/watch?v=xjpDXl6kwXE

taz-Bericht zur Adbusting-Aktion:
http://taz.de/Unterwegs-mit-Adbustern/!5111796/

Warum Fratzenbuch Gift für emanzipatorische Politik ist (Interview mit dem nadir-Kollektiv):
http://phase-zwei.org/hefte/artikel/es-gibt-keine-richtige-nutzung-im-falschen-facebook-423/

Mehr Aktions-Analysen:
http://maqui.blogsport.eu/aktions-analyse/